"Hilfe für Thomas“

Nach einem Schlaganfall liegt Thomas Grönewäller in einem ägyptischen Krankenhaus. Die Familie hofft, dass der Krankenflug am morgigen Sonntag reibungslos über die Bühne geht.

VON DIETMAR JESCHKE
Drensteinfurt. Ein Urlaub, der zu einem Horrortrip wurde und der seitdem unter dem Titel „Hilfe für Thomas“ die Menschen auf der Straße und in den sozialen Medien tief bewegt: Am morgigen Sonntag könnte das Schicksal von Thomas Grönewäller nach vielen Tagen des Bangens endlich etwas Gutes wiederfahren. Denn dann startet der Sonderflug von Kairo zum Flughafen Münster-Osnabrück, von wo aus es für Grönewäller direkt in die Münsteraner Uni-Klinik gehen wird. Was war geschehen?
Am 05. Semptember war der gebürtige Drensteinfurter mit seiner Frau Ramona in Richtung Hurghada aufgebrochen, um einige unbeschwerte Tage am Roten Meer zu verbringen. Drei Tage später brach Thomas Grönewäller im Bad zusammen. Die Diagnose: Schlaganfall und ein Hirnaneurysma, das zu reißen drohte. Kurz: Es bestand Lebensgefahr.
Eine kurzfristige - und teuere - Opteration war unvermeidbar. Wie sich aber herausstellte, hatte Thomas Grönewäller keine spezielle Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen. Die Krankenhaus- und Behandlungskosten waren somit direkt zu zahlen. Geschätzte Summe inklusive Rücktransport: rund 75.000 Euro. Geld, das Ramona Grönewäller nicht hat. Ohne Englischkenntnisse und vor Ort vollkommen auf sich allein gestellt, war sie der Verzweiflung nahe.
Mittlerweile jedoch hatten die in Drensteinfurt lebenden Geschwister des 57-jährigen alle Hebel in Bewegung gesetzt. Bruder Michael stieg wenig später ins Flugzeug, um seiner Schwägerin vor Ort beizustehen und ihr zu helfen. Parallel dazu starteten die Grönewällers eine Spendenaktion, um das dringend benötigte Geld kurzfristig aufzutreiben. Mit gewaltiger Resonanz: Rund 60.000 Euro, berichtet Michael Grönewäller, sind mittlerweile zusammengekommen. Die Operationen, der sich Bruder Thomas zwischenzeitlich in Kairo unterziehen musste, konnte damit bezahlt werden. Nun hofft die Familie auf weitere Unterstützter, damit auch er von den Kölner Maltesern organisierte Ausflug des immer noch Schwerstkranken finanziert werden kann. Und auch danach wird wohl noch Unterstützung notwendig sein, denn arbeiten, erklärte Michael Grönewäller, wird sein Bruder wohl nicht mehr können.
Besonderen Dank zollen die Grönewällers übrigen Dr. Karlheinz Fuchs aus Steinfurt. Der nämlich saß buchstäblich auf gepackten Koffern, um gleichfalls am Roten Meer seinen Urlaub zu verbringen, als er vom Hilferuf der Familie erfuhr. In Ägypten angekommen, half der Mediziner unmittelbar bei der Versorgung des Schwerkranken, für den es zwischenzeitlich keinerlei Hoffnung mehr gab.
Auch am Sonntag wird Fuchs dabei sein, wenn es gilt, Thomas Grönewäller vom Flughafen in die Klinik zu transportieren. „Das ist einfach Weltklasse“, ist Michael Grönewäller noch immer überwältigt von der spontanen Hilfsbereitschaft des Leitenden Notarztes im Kreis Steinfurt.
In Ihrem gemeinsamen Appell wollen die Geschwister nun nicht nur ihren Unterstützern danken. „Wir möchten die Menschen auch sensibilisieren“, betont Michael Grönewäller. Denn: „Das, was wir erlebt haben, gönne ich meinen ärgsten Feiden nicht.“ Und damit meint er nicht allein die Sorge um den todkranken Bruder, sondern vor allem die Situation in Ägypten, der sie sich ohne Geld und Versicherung unvermittelt gegenübersahen.
Persönlich legt Michael Grönewäller daher allen Reisenden dringend nahe, sich vor dem nächsten Urlaub ein wenig intensiver mit dem Thema „Auslandsreisekrankenversicherun“ zu beschäftigen. Denn auch wenn eine solche - etwa mittels Kreditkartenvertrag - abgeschlossen worden sei, bedeute das nicht automatisch, dass sie auch alle anfallenden Kosten tatsächlich übernimmt.
>> Für weitere Spenden zur Finanzierung des Rücktransports von Thomas Grönewäller ist die Familie dankbar. Weitere Informationen dazu gibt es auf der eigens eingerichteten Internetseite unter www.hilfe-fuer-thomas.de.


Quelle: Westfälische Nachrichten, 28.09.2019